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Stand 22.9.2017
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Durchsichtig machen oder das Verschleiern

 Es scheint so, dass die opake, undurchdringliche Welt einer Transparenz bedürfe. Es soll nicht weiter verstellt und zugestellt werden, sondern etwas muss durchsichtig werden. Gleichzeitig rufen viele durchscheinende Dinge, wenn sie übereinander gelegt werden, eine Verdunkelung als Überlagerung hervor. Selbst die schützende Atmosphäre, die unseren Planeten umgibt, als Luftschicht, in der sich das Licht streut, verstellt tagsüber den Blick ins All. Sie macht, dass aus einem unendlichem Schwarz ein Blau wird, ein Himmelblau, das je nach Luftfeuchte die Farbe wechselt – vom Azurblau bis zum Grau hinüber.

Wer sich entschließt, Kunst zu machen, will einen besonderen Aspekt aus der Vielheit der Existenz herausarbeiten. Es ist dann das persönliche Anliegen, dem man eine Form geben muss, um sich eben über diese Form als persönlichen Kunstausdruck, mitzuteilen.

Durch die Arbeit von Monika Falke geht ein durchgehender Gedanke, nämlich die Idee von Überlagerung und Öffnung, oder umgekehrt gesehen: Verschleierung und Entschleiern. Sei es, dass textile, gleichfarbige Elemente vor- und hintereinander gehängt werden, oder eine Punktestreuung  als Radierung sich verdichtet und in flüssiger Malfarbe lasierend sanft gezogene Pinselstriche sich überlagern: Immer wird hier dasselbe Motiv umkreist, als die gedankliche Bewegung um das Phänomen des sich Lichtens oder Eindunkelns.

In den Malereien und großformatigen Radierungen sind es vertikale Bewegungen, die eine klar überschaubare Zahl von Farbtönungen so übereinander legen, dass die einzelnen Elemente, die dann die Mischungen ausmachen, noch deutlich zu unterscheiden sind. Trotzdem ist man dann als Betrachter überrascht, wie viele Nuancen in dieser reduzierten Farbenwelt entstehen. Das sind dann eher weniger Bilder als vielmehr Mikroludien. Mit Musik verglichen, wären es ganz kurze Stücke aus einem imaginären Klangtagebuch über jeweils einen Akkord, der einen bestimmten Gestus in der Ausführung erfährt. Ja, manchmal sind es nur zwei (Farb)-Töne, die in der Ausführung als Zusammenklang oder Staffelung variiert werden, als Form einer Minimalmusic mit Mitteln der Malerei. Natürlich wird hier Musik nicht imitiert oder nachgestellt, die Methodik dieser Bildformen jedoch, als ihre Intentionen, legen im Gedanklichen wie auch im Formalen solche Vergleiche nah.

Der aus diesen elementaren Bedingungen und physikalischen Gesetzen entwickelte Kosmos in der Kunst von Monika Falke, als eine einzelne, in sich aber universellen Methode in Bezug auf die Mannigfaltigkeit der Welt, drückt sich in allen genutzten Medien gleichermaßen klar und präzise aus. Sei es mit Mitteln der Installation, der Malerei oder mit der wesentlich schwerer zu handhabenden Aquatintatechnik, bei der über ein kompliziertes Druckverfahren die erstrebte luftige Leichtigkeit erreicht werden muss – in allen diesen Formen verwirklicht Monika Falke ihre Idee von der Kunst, ihre Fragestellung an die Kunst als die immer wieder neu zu feiernde Lust am Sehen, am Wunder der Sinne. 

Giso Westing

Hannover, 5.2.2017